Wissen & Technik Deutscher Herbst: Als Kind in der entführten Landshut

14:55  03 september  2017
14:55  03 september  2017 Quelle:   Berliner Zeitung

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Gaby Coldewey bei ihrer Ankunft in Frankfurt.: SZ Photo © SZ Photo SZ Photo

Als Gaby am Morgen des 18. Oktober 1977 auf der verdreckten Tragfläche der Boeing 737-200 der Lufthansa steht, wähnt sie sich am Ende der Welt.

Mogadischu. Von diesem Ort hat sie noch nie etwas gehört. Auch nicht von Larnaka, Aden oder Dubai. Wie auch. Sie ist gerade acht Jahre alt und hat sich in den vergangenen Tagen mitunter wie in einem Raumschiff gefühlt – mit ungewissem Ziel. Eine Vorstellung, die sie verlockend, aber auch beängstigend findet.

Es ist heiß in Mogadischu. Maskierte Männer haben Gaby Minuten vorher aus dem Schlaf gerissen. Es fielen Schüsse. Sie dachte noch, jetzt bekommen die Terroristen Verstärkung. Bis sie deutsche Stimmen hörte. Sie soll die Maschine über die Tragfläche verlassen, sagen sie ihr. Gaby hangelt sich eine dort aufgestellte Treppe hinunter und läuft schnell, wie es ihr gesagt worden ist, auf eine Sandmulde zu. Ihr weißes T-Shirt, das sie von ihren Eltern auf Mallorca geschenkt bekommen hat, klebt an ihrem Körper. Überall rennen schwarze Menschen über das Rollfeld. Noch nie hat sie solche Menschen gesehen. Hinten steht eine Blechhütte, es ist die Zentrale des Flughafens von Mogadischu in der somalischen Wüste.

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Kinder an Bord der Landshut

Mehr weiss sie eigentlich nicht von jenem Morgen nach fünf Tagen Irrfahrt, deren Grund sie damals nicht versteht. 108 Stunden sitzt sie mit 85 anderen Passagieren und fünf Crewmitgliedern in der Maschine. Sie ist eines von mehreren Kindern, das jüngste ist drei Jahre alt. Im Flugzeug sind außerdem vier Entführer, sie brüllen und drohen und sagen immer wieder, dass sie alle umbringen werden. Sie scherzen aber auch mit den Passagieren, lachen und umarmen sie sogar.

Ein Wechselbad der Gefühle. Was soll ein Kind davon halten?

Und dann ist da plötzlich das deutsche Sondereinsatzkommando GSG9, das sie und die anderen befreit. Gaby erinnert sich natürlich an die Hektik auf dem Flughafen. Aber vor allem ist ihr eines im Gedächtnis geblieben: „Ich bekam nach der Befreiung eine Cola, die durfte ich daheim nie trinken.“

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Gaby Coldewey lächelt, wenn sie an die Cola von damals denkt. Sie ist in ein Berliner Café gekommen, um über ihre Erinnerungen an die fünf Tage als Geisel zu reden. Sie hat das noch nicht oft getan. Sie ist 48 Jahre alt, lebt in Berlin, ist verheiratet, hat einen elfjährigen Sohn. Ihr Leben läuft in schönen Bahnen. Sie will nicht bekannt dafür sein, dass sie damals mit in der Landshut saß. Dafür konnte sie ja nichts, und sie wünschte, es wäre ihr erspart geblieben. Sie möchte auch lieber nicht fotografiert werden. Aber sie spricht sehr offen über das Erlebte.

Die RAF-Spitze sitzt in Stammheim

Mit acht Jahren sei sie ein eher schüchternes Kind gewesen, sagt sie, aber auch eines, das gerne auf Bäume klettert und mit ihrem Kumpel Western- oder Krimiszenen nachspielt. Sie ist dennoch oft ängstlich, fürchtet sich vor Dunkelheit, Fremden und auch vor Flugzeugabstürzen.

Ihre Eltern halten alles Böse von ihr fern, sie wollen, dass sie wohlbehütet in dem kleinen Dorf nahe Bremen aufwächst. „Außer der Sesamstraße durfte ich nur wenig fernsehen“, sagt sie. Grimms Märchen findet ihre Mutter zum Vorlesen zu grausam. Kriege, Katastrophen oder gar Terroristen und der Hochsicherheitstrakt Stammheim, in dem die führenden Köpfe der Roten Armee Fraktion – Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe – einsitzen, sind für Gaby weit weg.

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Manchmal erhascht sie doch einen Blick auf die 20-Uhr-Nachrichten im Fernsehen. Darin zeigen sie in jenem Herbst oft einen traurig blickenden Mann im Unterhemd mit einem Schild vor der Brust. „Gefangener der RAF“ steht darauf. Auch in der Zeitung sieht sie das Bild. Ihr tut Hanns Martin Schleyer irgendwie leid, wie er so da sitzt. Die Mundwinkel nach unten gezogen, der glasige Blick.

Der 3. Oktober 1977

Und dann sind in ihrem kleinen Dorf nahe Bremen noch die vielen Fahndungsplakate der RAF. Diese ganzen Gesichter, die ihr von den Plakaten entgegenblicken. Diese jungen Menschen sehen alle so düster aus. Manchmal stellt sie sich vor, sie würde einen von ihnen finden. Es gibt schließlich eine satte Belohnung. Aber ihr Vater erklärt ihr, dass Terroristen sich nicht in Dörfern verstecken.

Es ist der 3. Oktober 1977, als die Familie nach Mallorca reist. Der Jahresurlaub der Familie. Gaby ist begeistert, als sie das Hotel in Cala Millor sieht. Es hat einen Pool, einen Billardtisch und abends gibt es ein Büfett. Sie liebt es, schwimmen zu gehen, Tretboot zu fahren und mit ihrem Vater an den Flippermaschinen zu spielen. Alles ist so aufregend. „Wir sind damals nicht oft weit weg geflogen“, erinnert sie sich. Einmal ging es nach Gran Canaria. Aber meistens fuhren sie mit dem Auto nach Dänemark.

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Deutsch .

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Mallorca ist in jenem Herbst noch nicht die Lieblingsinsel der Deutschen. Den Ballermann gibt es noch nicht. Gaby sieht keine Menschen am Strand, die Sangria aus Eimern trinken. Sie bekommt das T-Shirt von ihren Eltern geschenkt, das sie stolz am Tag ihrer Abreise trägt.

An das Gewusel auf dem Flughafen von Palma de Mallorca erinnert sie sich kaum. „Wir haben eingecheckt, und uns ist auch nichts aufgefallen, das uns hätte beunruhigen können“, sagt sie. Ihr Vater, der bei der Bundesanstalt für Flugsicherheit arbeitet, sagt ihr später, dass es keine Kontrollen auf dem Flughafen gab und ihn das wunderte. Mehr aber nicht. Die Terrorangst von heute war damals noch weit weg.

Im Flugzeug mit den Entführern

Gaby Coldewey hält inne. Das macht sie oft, als müsse sie der Erinnerung Zeit geben. Sie spricht weiter: „Was uns passiert ist, war damals jenseits meiner Vorstellung. Ich dachte, die entführen nur wichtige Menschen wie den Arbeitgeberpräsidenten Schleyer.“ Dass es einfache Menschen treffen kann, ist für sie unvorstellbar.

Im Flugzeug sitzt Gaby zwischen ihren Eltern, die Maschine hebt ab. Die Stewardessen sind nett, reichen Getränke und Essen und schäkern mit ihr. Sie ist ein süßes Mädchen mit blonden, langen Haaren und Sommersprossen. Doch dann ist da plötzlich diese Unruhe. Gaby sieht, wie Menschen umher rennen. Ein Mann beginnt zu brüllen und hört nicht mehr auf. Er ist dunkelhaarig, trägt einen Schnauzer und redet in einer Sprache, die Gaby nicht versteht.

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Der Mann, der auf arabisch herumschreit, ist der Anführer der Terroristen, Mohair Youssif Akache, 23 Jahre alt. Dann ist da noch eine dürre, hektische Frau, die sich ebenso nicht beruhigt. Sie gehört auch zu dem palästinensischen Terrorkommando. Von Palästina hat Gaby damals auch noch nie etwas gehört.

Gabys Vater sagt zu ihr, das seien Luftpiraten. Das Wort hat er sich ausgedacht, um sie zu beruhigen. Es wirkt. „Ich fand das spannend“, erzählt Gaby Coldewey und ihre Augen blitzen. Quirlig wirkt sie, und aufgeräumt.

Die Landshut wird entführt

Vier Entführer sind es, die am 13. Oktober die Landshut entführen. Neben Akache zwei Frauen und ein junger Mann. Die im Libanon geborenen Souhaila Andrawes alias Soraya Ansari, Nabil Harbi alias Riza Abbasi und Hind Alameh alias Shanaz Gholoun. Die Entführer haben zwei Pistolen, vier Handgranaten und etwa 500 Gramm Plastiksprengstoff an Bord geschmuggelt. Die Waffen haben sie vorher in Kosmetikkoffern und einem Radio versteckt.

Über Frankreichs Luftraum packen sie alles aus. Akache übernimmt das Kommando. Gaby wird erst später erfahren, was er in das Bordmikrofon brüllt: dass die Landshut gekapert worden ist, damit elf RAF-Gefangene freigelassen werden. Und dass er Kapitän Märtyrer Mahmoud sei. Er will uns bestimmt beruhigen, denkt sich Gabi. Mahmoud, das klingt für sie wie: „Mach Mut“.

Die Maschine fliegt und fliegt. In Bonn tagt der Krisenstab unter Kanzler Helmut Schmidt und Staatssekretär Hans-Jürgen Wischnewski, in den Nachrichten verfolgen die Zuschauer die farbig markierte Route der Landshut und wo diese einen Zwischenstopp einlegt: in Rom, in Larnaka auf Zypern, in Aden im Süd-Jemen, in Dubai und schließlich in Mogadischu.

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Fehler. Christoph Maria Herbst liest Jonathan Safran Foer, Hier bin ich.

Gaby an Bord der Landshut

In ihren Einzelzellen in Stammheim verfolgen Baader, Ensslin und Raspe ebenfalls die Entführung.

In der Maschine fühlen sich die Passagiere im Stich gelassen. Fragen sich, warum es sie trifft? Sie haben doch mit Politik nichts zu tun. Die Stewardess Gabriele von Lutzau erzählt später: „Wir haben ja gar nichts mitbekommen und auch nicht mehr damit gerechnet, dass wir gerettet werden.“

Es wird immer unerträglicher in der Kabine. Die Klimaanlage ist ausgefallen, die Hitze ist unerträglich. Die Temperaturen steigen auf bis zu 50 Grad. Die Toiletten sind verstopft und quellen über, es stinkt nach Kot und Urin. Gaby versucht zu schlafen und an die Schule zu denken – und daran, wie viel sie zu erzählen hat, wenn sie hier heil rauskommt.

„Terroristen erschießen keine Kinder.“

Die entführte Maschine nach der Landung in Mogadischu. © picture alliance / UPI/dpa Die entführte Maschine nach der Landung in Mogadischu.

Aber es packt sie auch immer wieder die Angst. In Aden blockieren Panzer und Laster die Rollbahn. Die Maschine muss auf einem Sandstreifen notlanden. Die Passagiere sind sicher: Das ist das Ende. Gaby denkt wieder an daheim, daran, dass sie, wenn sie überlebt, gerne wieder Klassensprecherin werden möchte.

Gaby Coldewey hält wieder inne, sagt dann: „Man denkt als Kind komplett anders als ein Erwachsener.“ Vor kurzem hat sie ihrem Sohn eine Flüchtlingsgeschichte vorgelesen. Darin sagt ein Vater zu seinem Sohn, er müsse jetzt sofort mit ihm abreisen. „Der Junge ärgert sich nicht, weil er sein Land und seine Heimat verlassen muss. Er freut sich, dass er seine Hausaufgaben nicht mehr machen muss. Du denkst sehr praktisch als Kind.“

Die Notlandung verläuft gut, alle liegen sich in den Armen. Erst einmal. Nach der Bruchlandung darf der Pilot Jürgen Schumann die Maschine verlassen. Er befürchtet, dass das Flugzeug beschädigt worden ist. Er möchte das Fahrwerk kontrollieren lassen. Die Terroristen erlauben es ihm.

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Veranstaltungen

Der Kapitän wird erschossen

Der 37-Jährige nutzt die Gelegenheit auch, um dort mit Luftwaffen-General Scheich Ahmed Mansur über die Möglichkeit einer Freilassung der Landshut-Geiseln zu sprechen. Später erzählt Mansur: „Ich sagte ihm: Ich kann jeden anderen Wunsch erfüllen, aber unmöglich den, dass die Passagiere aussteigen, und die Entführer von jemenitischem Boden aus verhandeln.“ Schumann habe fast zehn Minuten versucht, ihn zu überzeugen. Dann sei er gegangen mit den Worten: „Ich kehre jetzt zurück. Ich bin sicher, sie werden mich umbringen.“

Er behält recht. Im Gang der Kabine muss er sich hinknien, er will sich noch erklären, kommt aber nicht zu Wort. Der Mann, der sich Kapitän Mahmoud nennt, brüllt minutenlang, fordert die Passagiere auf, sich hinzusehen. Dann drückt er ab.

Der Schuss ist laut, Schumann fällt wie ein Sack zu Boden. Gaby hört das nur, sie hat die Augen fest geschlossen.

Die Leiche bleibt auf dem Gang liegen. Wie kann man das machen?, fragt sich Gaby. Warum musste er sterben? Warum sind wir in dem Flugzeug gefangen? Der Pilot war sehr nett gewesen. Die Entführer ließen sie immer mal wieder ins Cockpit, sie durfte Pilotin spielen. Das gefiel ihr.

Torte für die Geiseln

Ihre Mutter beruhigt sie, sagt: „Terroristen erschießen keine Kinder.“ Gaby glaubt ihr. Zudem sind die Entführer nicht fies zu ihr gewesen – auch wenn sie unentwegt mit Handgranaten und Pistolen auf dem Gang stehen und wild damit rumfuchteln, sie tragen enge Che-Guevara-T-Shirts oder andere Oberteile, ständig ziehen die sich um, fällt Gaby auf. Und wenn sie mal auf die Toilette muss, lächeln ihr die Entführer sogar zu. Oder sprechen sie an. „Ich habe mich nicht persönlich bedroht gefühlt. Die meinten ja auch gar nicht uns“, sagt sie. Als die Terroristen von draußen eine Torte ordern, weil eine der Stewardessen Geburtstag hat, greift Gaby zu. „Es war eine mit Nuss und Buttercreme, so etwas gab es bei uns nie“, erinnert sie sich. Sie nimmt zwei Stücke, weil die Erwachsenen kaum etwas runterkriegen.

Mitunter bekommt Gaby sogar Mitleid mit den Entführern. Auch heute sagt sie: „Die haben einen Auftrag bekommen, ein Flugzeug zu entführen und wussten nicht im Detail, was auf sie zukommt und wie alles ausgeht.“ Das seien doch auch junge Menschen gewesen. Alle um die zwanzig. Was für ein Irrsinn das alles. Gaby Coldewey schüttelt den Kopf.

Kinder in der Landshut

In der Landshut spielt Gaby mit ihrer Mutter Stadt-Land-Fluss oder Farbenraten. Immer wieder setzen sie die Entführer woanders hin. „Ich dachte, okay, man wird halt umgesetzt, damit man sich nicht abspricht.“ Geredet werden darf sowieso die meiste Zeit nicht. Einmal sitzt sie neben einer älteren Frau mit Hund. „Sie war schrecklich nervös“, erinnert sich Gaby. Erst Jahre später wird sie begreifen, wie die Erwachsenen gelitten haben. „Sie waren sich der Situation bewusst, ich habe mir als Kind die irrsten Sachen ausgemalt“, sagt sie. Viele Jahre später erzählt ihr Vater ihr, dass nur Kinder umgesetzt worden sind. Vermutlich, um den Eltern Angst zu machen.

Die Menschen leiden immer mehr unter der Enge, der Hitze, den Drohungen und der Ungewissheit. Die Terroristen inszenieren Scheinhinrichtungen, setzen Passagieren die Pistole an die Schläfe oder zerren sie mit Gewalt auf den Gang.

Ein älterer Herr macht zwischendurch Turnübungen. Er wirft die Arme nach oben, beugt die Knie. Das sieht witzig aus. Gaby beobachtet ihn neugierig.

Die Terroristen brüllen indes weiter nach der deutschen Regierung. Dass nichts passiert, macht sie noch aggressiver. Sie fesseln Passagiere, übergießen sie mit Alkohol. „Bananenlikör, der brennt nicht“, raunt ihr Vater ihr zu.

Das Leben nach der Entführung

Als sie nach der Befreiung nach Hause kommt, wundert sich Gaby über die vielen Blumensträuße, die die Nachbarn ins Haus tragen. Warum machen die das? Sind wir jetzt etwas Besonderes, nur weil wir in dem Flugzeug saßen? Sie darf erst einmal nicht zur Schule gehen. Das wurmt sie. Sie möchte ihrem besten Freund alles erzählen, ihm zeigen, wie die Entführer mit den Waffen drohten.

Mit ihren Eltern redet sie kaum über die Entführung. Nur ab und an mal. Später trifft sich ihre Mutter ein paar Male mit anderen Geiseln. Auch mit Gabriele von Lutzau, geborene Dillmann, die Stewardess in der Landshut war. Sie ist inzwischen verheiratet und hat ein Kind bekommen. Vom Fliegen will sie nichts mehr wissen.

Gabys Mutter nimmt einmal ein Angebot an, mit einem Psychologen zu reden. Gaby selbst sucht erst Jahre später einen Psychologen auf. Er bescheinigt ihr, alles gut verarbeitet zu haben. „Das hat mich befreit“, sagt sie. Denn sie weiß: „Viele Passagiere mussten hinterher um materielle Entschädigung und für psychologische Betreuung kämpfen und blieben mit ihren Ängsten häufig allein.“

Die Geiseln treffen sich

Viele der anderen Geiseln stoßen in den Jahren nach der Entführung auf Unverständnis und Hilfslosigkeit. Ehen zerbrechen, nicht wenige sind arbeitsunfähig, leiden unter Schlafstörungen, Angstzuständen und Stimmungsschwankungen. Oft glauben sie, ihre Entführer wieder zu sehen. Es sind Posttraumatische Belastungsstörungen – ein damals nur wenig definiertes Krankheitsbild.

Gaby empfindet ihre Kindheit weiterhin als glücklich. Jahre später, 1986, sie ist siebzehn, holt sie alles wieder ein. Sie sieht den Film „Stammheim“ von Stefan Aust, erfährt noch deutlicher, was die Geiselnahme auslöste. Nach deren Ende bringen sich Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in Stammheim um. Einen Tag nach ihrem Selbstmord wird Hanns Martin Schleyer von seinen Entführern ermordet.

Als junge Erwachsene fragt Gaby sich plötzlich: Wer hatte denn nun Recht? Kämpften die RAF-Terroristen nicht für einen gerechteren Staat und ein besseres Miteinander? Ging der Staat nicht viel zu radikal gegen Andreas Baader, Gudrun Ensslin oder Ulrike Meinhof vor? „Ich war in der Zeit dem Kommunismus relativ nah und habe lange darüber nachgedacht, ob man Leute für ein besseres Land opfern darf“, sagt Gaby, „Menschen wie uns in der Landshut. Ich bin dann darauf gekommen, dass man es darf. Hinterher habe ich gedacht, nein, vielleicht doch nicht. Ich finde es nach wie vor sehr schwierig, zu sagen, was darf man und was nicht. Darf man als Politiker 86 Leute einfach über die Klinge springen lassen?“

Hat das Erlebte gar nichts bei ihr hinterlassen? Gaby Coldewey nippt an ihrem Cappuccino, schaut einen offen an. Natürlich habe sie jahrelang mit Ängsten gelebt. Und natürlich habe sie die Entführung jahrelang innerlich nicht losgelassen – auch wenn sie selten darüber spricht. Sie schreibt sich beispielsweise regelmäßig mit einer Freundin, die sie im Sommer 1978 in Bonn bei einem Staatsempfang für die Landshut-Geiseln kennengelernt hat.

Erst vor zwei Jahren fand sie heraus, dass ihre Brieffreundin auch in der entführten Maschine war. Sie bekam einen Anruf, dass eine Passagierliste rekonstruiert werde – das Original hat die Lufthansa nie herausgegeben – und hörte den Namen. Gaby schüttelt den Kopf: „Wir hatten nie darüber gesprochen.“

Sie hält wieder inne, sagt: „Die Ängste kamen bei mir erst viele Jahre später und sind bis heute da: Ich setze mich nie mit dem Rücken zur Tür. Ich checke immer, wie ich aus einem Raum schnell wieder rauskomme und scanne alles ab. Ich habe gelernt, mit der Angst zu leben.“ Und was ist mit dem Fliegen? „Ich fliege ungern, weil ich es aus ökologischen Gründen ablehne.“

Gaby Coldewey arbeitet in der Tourismusbranche, Bereich politische Bildungsreisen. Es zieht sie schon in die Welt. Nur nach Mogadischu wollte sie nie mehr. Kürzlich hat sie gehört, dass die Landshut von einem Flugzeug-Friedhof in Brasilien nach Friedrichshafen überführt worden ist. Ab Oktober wird sie dort im Dornier-Museum ausgestellt sein. Gaby Coldewey wird nicht hinfahren.

Kinds Fan-Appell: "Unterstützen ist ihr Job" .
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