Panorama Was mit den Facebook-Daten von Toten passiert

10:30  12 juli  2018
10:30  12 juli  2018 Quelle:   dw.com

BGH-Urteil: Eltern dürfen Facebook-Konto der toten Tochter einsehen

  BGH-Urteil: Eltern dürfen Facebook-Konto der toten Tochter einsehen BGH-Urteil: Eltern dürfen Facebook-Konto der toten Tochter einsehenSie hatte sich in ihrer Verzweiflung durch alle Instanzen geklagt, um in den Facebook-Account ihrer Tochter nach Antworten suchen zu können. Sie erhoffte sich in den Posts Hinweise zu finden, die auf einen möglichen Suizid hindeuten würden. Um endlich trauern zu können.

Die tote Person hatte bei einem sozialen Netzwerk wie Facebook womöglich einen Freundeskreis, der mit ihr Daten ausgetauscht hat, nicht aber mit den Verwandten." Digitaler Gedenkzustand. Die Frage, was mit unserem digitalen Vermächtnis einmal passiert , wird immer relevanter.

Was mit den Facebook - Daten von Toten passiert 21.06.2018. Muss Facebook Angehörigen das Konto von verstorbenen Mitgliedern freigeben? Diese Frage beschäftigt jetzt den Bundesgerichtshof.

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Muss Facebook Angehörigen das Konto von verstorbenen Mitgliedern freigeben? Diese Frage beschäftigt den Bundesgerichtshof. Konkret geht es um den Fall einer Mutter, die mehr über den Tod ihrer Tochter erfahren möchte.

Wenn das eigene Kind vor einem stirbt, ist das für die Eltern verheerend genug. Eine Mutter in Berlin muss seit dem Tod ihrer Tochter zusätzlich einen zähen Rechtsstreit ausfechten. Weil die Jugendliche unter bis heute ungeklärten Umständen starb, erhofften sich die Eltern vom ihrem Facebook-Account Antworten. Um Zugriff zu erhalten, verklagten sie das soziale Netzwerk. Der Fall ist mittlerweile bei der höchsten Instanz, dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe angelangt. Ein Urteil wird für diesen Donnerstag erwartet.

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Und was passiert mit dem Account des Verstorbenen? Facebook schafft mit dem Gedenkzustand Raum für Trauer für die Hinterbliebenen. Wer den Toten allerdings „entfreundet“, kann die Verbindung nie wieder herstellen.

Was mit den Facebook - Daten von Toten passiert .

Die Tochter von Simone W. war vor sechs Jahren vor eine in den Bahnhof einfahrende U-Bahn gestürzt. Bis heute wissen die Eltern nicht, ob es Suizid war. Um Gewissheit zu erlangen und mehr über die Hintergründe zu erfahren, wollen sie Zugriff auf die Posts und Nachrichten bekommen, die ihre Tochter über Facebook abgeschickt hat.

Posts sind keine Postkarten

Die entscheidende Frage ist, ob die Eltern die digitalen Konten ihrer Tochter genauso erben wie ihren analogen Besitz. In einem ersten Prozess 2015 urteilte das Berliner Landgericht zugunsten der Eltern und stellte fest, dass diese gegenüber ihrer Tochter erbberechtigt seien. Sie ordneten an, Facebook müsse ihnen Zugriff auf das Konto gewähren. Und - so die Richter - Digitales müsse wie analoger Besitz behandelt werden, ansonsten entstünde ein Widerspruch: Dann wären Dinge wie Briefe und Tagebücher unabhängig von ihrem Inhalt vererbbar - E-Mails und private Facebook-Posts aber nicht.

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Das gute alte Fotoalbum: Früher bewahrte man Erinnerungen darin auf. Heute werden Aufnahmen auf Computern oder bei Facebook gespeichert - manchmal für die Hinterbliebenen unzugänglich

Sie argumentierten zudem, dass der Facebook-Zugriff nicht die Persönlichkeitsrechte der Tochter verletze, da Eltern, wenn die Kinder minderjährig seien, ein Recht darauf hätten zu wissen, was diese online machten.

Facebook ging gegen das Urteil in Berufung. Vertreter des US-amerikanischen Unternehmens sagten, die Entscheidung betreffe schließlich auch jene Nutzer, die mit dem Mädchen in Kontakt gestanden hatten und davon ausgegangen seien, dass die Unterhaltungen privat blieben. Das Berufungsgericht in Berlin folgte der Argumentation des Konzerns: Seiner Auffassung nach müssten alle Kontakte des Mädchens der Weitergabe vorher zustimmen. Die Familie ging in Revision - nun trifft der Bundesgerichtshof als letzte Instanz ein Grundsatzurteil.

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Es ist ein Thema, das Experten auch unabhängig von dem Fall der toten Berlinerin beschäftigt. "Ich kann die Wünsche der Familie verstehen, nachdem jemand gestorben ist, Zugang zu den Konten zu bekommen", sagte Elke Brucker-Kley, Dozentin für IT-Service-Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in der Schweiz der DW in einem früheren Interview.

"Die andere Frage ist: Ist der Plattform-Betreiber oder der Betreiber eines Services überhaupt dazu berechtigt, den Zugriff zu erlauben? Die tote Person hatte bei einem sozialen Netzwerk wie Facebook womöglich einen Freundeskreis, der mit ihr Daten ausgetauscht hat, nicht aber mit den Verwandten."

Digitaler Gedenkzustand

Die Frage, was mit unserem digitalen Vermächtnis einmal passiert, wird immer relevanter. Besonders eifrige Facebook-Nutzer haben zum Teil Tausende Fotos und Videos, die mit ihrem Namen verlinkt sind. Manche davon wurden von anderen Menschen gemacht und nicht auf einem Computer des Verstorbenen gespeichert, zu dem die Familie Zugang hat. Auch Teil des digitalen Vermächtnisses: Tweets, Status-Updates und Instagram-Geschichten, die von alltäglichen Ereignissen bis zu wichtigen Dinge reichen, wie die Uni-Zusage oder Heiratsanträge. Einige Nachrichtenverläufe bei Facebook gehen über Jahre zurück. Sie sind detaillierte Dokumente, die manchmal zeigen, wie zwei Menschen sich einander verliebt haben oder sich von Bekannten in beste Freunde entwickelt haben, die ihre größten Geheimnisse miteinander teilen. Was soll mit all dem nach unserem Tod passieren?

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Was mit den Facebook - Daten von Toten passiert . Muss Facebook Angehörigen das Konto von verstorbenen Mitgliedern freigeben? Diese Frage beschäftigt heute den Bundesgerichtshof.

Wir tragen die Verantwortung dafür, deine Daten zu schützen. Wenn uns das nicht gelingt, haben wir es nicht verdient, dass du unseren Service nutzt. Meine volle Aufmerksamkeit liegt momentan darauf zu verstehen, was genau passiert ist, und

Facebook hat verschiedene Vorkehrungen getroffen, damit Nutzer auch nach ihrem Ableben die Kontrolle über ihre Aktivitäten in den sozialen Medien behalten. Eine Möglichkeit ist, das Konto nach dem Tod für immer löschen zu lassen. Dies lässt sich jederzeit mit ein paar Klicks einrichten. Die weniger endgültige Wahl ist die, das Konto in eine Art Gedenkzustand zu versetzen. Stirbt ein Nutzer, erscheint neben seinem oder ihrem Namen fortan immer "In Erinnerung". Freunde und Familie können dann auf einer Timeline Erinnerungen teilen. Die Daten des Nutzers vor seinem Tod bleiben auf Facebook.

Der größte Unterschied zwischen dem Account einer toten und einer lebenden Person ist: Niemand kann sich in das Konto im Gedenkzustand einloggen. So war es auch in jenem Fall, der gerade in Berlin verhandelt wird. Die Eltern des toten Mädchens hatten ihrer Tochter, als die 14 war, erlaubt, sich ein Facebook-Profil anzulegen - unter der Bedingung, dass sie ihnen das Passwort gab. Als die Mutter aber versuchte, sich einzuloggen, befand sich das Konto der Tochter bereits im Gedenkzustand. Es ist unklar, wer das ausgelöst hat.

Facebook-Nutzer können eine Art Nachlassverwalter benennen, also eine Person, die ihr Konto, nachdem es im Gedenkzustand ist, verwaltet. Dazu muss der Nutzer älter als 18 Jahre sein. Das verstorbene Mädchen in Berlin hatte diese Möglichkeit nicht - es war bei seinem Tod erst 15.

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Für die Mutter wäre aber auch das nicht sonderlich hilfreich gewesen, denn ein Facebook-Nachlasskontakt kann nur wenige Dinge tun. Zum Beispiel kann er oder sie ein neues Profilbild für den Verstorbenen erstellen oder einen Beitrag verfassen, wie einen Hinweis auf eine Gedenkveranstaltung. Und: Alte Posts und Fotos darf er nicht archivieren. Sich beim Konto des Verstorbenen anmelden oder seine Nachrichten zu lesen, ist ihm nicht gestattet. Und genau das ist es, was die Mutter im Berliner Fall durchsetzen will.

"Falls ich sterbe"

Wer auch nach seinem Tod das letzte Wort haben will: Es gibt eine Facebook-App, die sich "If I Die", also "Falls ich sterbe" nennt. Darüber können Nutzer eine letzte Nachricht eingeben, die nach ihrem Tod erscheint. Eine Möglichkeit, die aber nur für jene interessant sein dürfte, die Zeit haben, sich Gedanken zu machen und nicht für die, die ganz plötzlich sterben. Die "If I die"-Nutzer können einen Text schreiben oder ein kurzes Video hochladen. Veröffentlicht werden diese Inhalte erst, nachdem drei Bevollmächtigte, die zuvor bestimmt werden mussten, den Tod bestätigt haben.

Egal was man tut: Damit das digitale Vermächtnis auch verwaltet wird, muss man die nötigen Vorkehrungen getroffen haben. Viele junge Leute machen das höchstwahrscheinlich nicht, sagt die Dozentin für IT-Service-Management Brucker-Kley. "Die Nutzer, die ein bedeutendes digitales Erbe haben, das ihnen persönlich wichtig ist, denken oft nicht über ihre Sterblichkeit nach oder über das, was sie hinterlassen. Ein digitales Vermächtnis steht auf ihrer Liste nicht ganz oben."

Verbraucherschützer blicken an diesem Donnerstag gespannt nach Karlsruhe: Die Verhandlung dürfte endlich rechtliche Klarheit bringen, wem der digitale Nachlass eines Verstorbenen gehört. Das Urteil soll am 12.Juli fallen.

Autor: Carla Bleiker

 

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