Panorama Ausschreitungen bei Volksfest - So reagieren die Einwohner Schorndorfs auf die Krawallnacht

23:22  17 juli  2017
23:22  17 juli  2017 Quelle:   RP ONLINE

Über 676 000 Bundesbürger in der Schulden-Warteschleife

  Über 676 000 Bundesbürger in der Schulden-Warteschleife In Deutschland warten nach Berechnungen der Kreditauskunftei Crifbürgel derzeit über 676 000 Menschen auf eine Schuldenbefreiung. Nach dem Ende der sogenannten Wohlverhaltensphase könnten die betroffenen Schuldner im Rahmen eines Privatinsolvenzverfahrens auf einen Erlass ihrer Schulden hoffen, teilte Crifbürgel in Hamburg mit.Bundesweiter Spitzenreiter bei den Privatpleiten ist Bremen mit 134 Fällen je 10 000 Einwohner, gefolgt von Niedersachsen und dem Saarland (je 109 Fälle). Deutlich unter dem bundesweiten Durchschnittswert von 82 Fällen liegen Bayern (58) und Baden-Württemberg (57).

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Plötzlich spricht ganz Deutschland über einen kleinen Ort bei Stuttgart: Sexuelle Übergriffe auf zwei junge Frauen sowie Angriffe gegen Polizisten aus einer großen Gruppe empören die Menschen. Während manche Besucher weiter feiern, reagieren andere nachdenklich.

Auf einer Bühne hüpfen kleine Mädchen in Mäusekostümen, Menschen trinken ein kühles Getränk auf den Bierbänken - auf der "Schorndorfer Woche" herrscht am Montagnachmittag friedliche Gelassenheit. Nichts deutet darauf hin, dass die idyllische Fachwerkstadt in der Nähe von Stuttgart während des Stadtfests zum Schauplatz von Krawallen und sexuellen Übergriffen geworden ist.

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Polizei und Oberbürgermeister hatten am Morgen in einer Pressekonferenz von Gewalt gegen Polizisten aus einer Gruppe von etwa 1000 jungen Leuten heraus in der Nacht zum Sonntag berichtet. Zudem kam es laut Polizei zu sexuellen Übergriffen auf eine 17-Jährige und eine 25-Jährige. Ermittelt wird gegen drei verdächtige Afghanen und einen Iraker. Schnell werden Erinnerungen an die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht wach. Oberbürgermeister Matthias Klopfer hält dem entgegen, dass vor allem Schüler gefeiert hätten. Erst nachdem erste Auseinandersetzungen begonnen hatten, seien mehr Migranten gekommen.

Fremdenfeindliche Parolen fallen nicht

Die Vorfälle lassen in Schorndorf niemanden kalt, fremdenfeindliche Parolen hört man im Gespräch mit den Einwohnern aber nicht. Die Stadt mit 40.000 Einwohnern hat 700 Flüchtlinge aufgenommen. Nach Angaben des Veranstalters des im Volksmund "SchoWo" genannten Events, Jürgen Dobler, ist Schorndorf hervorragend aufgestellt in Sachen Integration. Die Stadt präsentiert sich als interkulturell. Ende 2015 hatte mehr als jeder achte Bürger eine andere Staatsangehörigkeit als die deutsche.

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Bei einigen herrscht nun aber Verunsicherung: Eine 36-Jährige, die auf dem Fest mit ihrer Mutter zu Gast ist, sagt, dass sie einen abendlichen Besuch jetzt noch mehr meiden werde als zuvor. "Da fließt der Alkohol", gibt sie als Grund an. Der enthemme die Menschen und verstärke schlechte Charaktereigenschaften.

Alkohol als "Gewalttransmitter"

Der Aalener Polizeipräsident Roland Eisele hatte Alkohol schon zuvor in Bezug auf die Übergriffe als "Gewalttransmitter" beschrieben. Ein 19-Jähriger, der als Helfer an einer Getränkebude arbeitet, sieht es ähnlich. Besonders schlimm sei, dass schon Minderjährige zur Flasche greifen. Die negativen Nachrichten, die jetzt kursieren, beschädigten das Image der Kleinstadt, ist er überzeugt.

Alles ruhig am Montag bei der © dpa, cdt Alles ruhig am Montag bei der "Schorndorfer Woche": Am Samstagabend war es am Rande des Volksfests zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen.

Man solle die Kirche im Dorf lassen, meint hingegen eine andere Besucherin des Festes. Auf großen Volksfesten wie dem "Stuttgarter Wasen" gebe es doch auch Scharmützel - über die werde aber nicht berichtet, sagt die junge Erzieherin. Für die belästigten Frauen sei das Erlebte sicher dramatisch. Sie wolle sich aber nicht ins Bockshorn jagen lassen und weiter mit ihrer Freundin auch abends das Stadtfest genießen: "Warum sollte ich mich einschüchtern lassen?"

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Hier geht es zur vollständigen Pressemitteilung auf die Webseite der DGN.

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Eine 27-Jährige, die sich mit ihrem Baby im Schatten ausruht, ist skeptischer. Sie wolle nur noch in Gruppen mit Männern feiern gehen, sagt sie und fügt hinzu: "Man guckt sich die Leute im Gedränge schon genauer an." Angesprochen darauf, dass Flüchtlinge der sexuellen Übergriffe beschuldigt werden, sucht sie nach Erklärungen. Die Männer seien von Langweile und Frust geplagt. Sie müssten noch lernen, dass die Frauen in Deutschland die gleichen Rechte genießen wie die Männer. Ein 65-Jähriger, Vater zweier Töchter, sagt nur: "Das ist eine Sauerei."

Veranstalter Dobler, selbst in der Flüchtlingshilfe tätig, hofft, dass die Ereignisse die Integration in Schorndorf nicht zurückwerfen. In einer Kleinstadt könne man nur in gutem Miteinander weiterleben. Der Werbekaufmann warnt vor Stigmatisierung wegen der Herkunft. "Es gibt Gute und Böse in allen Nationalitäten", sagt Dobler.

Hochzeit geplatzt: Braut spendet Buffet an Bedürftige .
Sarah Cummins aus dem US-Bundesstaat Indiana hat ihre Hochzeit gecancelt. Das bestellte Festessen hat sie an Obdachlose gespendet. Eigentlich sollte die Hochzeit der 25-jährigen Pharmazie-Studentin Sarah Cummins ein riesiges Fest mit 170 geladenen Gästen werden. Kostenpunkt für alles Drum und Dran: 30.000 Dollar, also umgerechnet rund 26.000 Euro. Doch die zwei Jahre lang geplante Hochzeit wurde eine Woche vor dem Termin kurzfristig abgesagt, über die Gründe will Cummins nicht sprechen. Das bestellte Essen in einem Hotel in der US-Stadt Indianapolis konnte jedoch nicht mehr storniert werden. Das erzählt Cummins der Zeitung Indianapolis Star. Kleiderspenden an neue Gäste Weil sie das Essen nicht einfach wegwerfen wollte, entschied sie sich dazu, Bedürftige und Obdachlose zum Dinner einzuladen. Statt der 170 geladenen Gäste verspeisten am vergangenen Samstag also Obdachlose eines US-Veteranenverbandes unter anderem Artischocken, Hähnchen und Hochzeitstorte. "Es war für mich eine Gelegenheit, diese Leute wissen zu lassen, dass sie es genau wie jeder andere verdienen, an einem Ort wie diesem zu sein", sagte Cummins. Lokale Unternehmen, Freunde und Einwohner spendeten außerdem Kleidung für die neuen Gäste. Auch Cummins Ex-Verlobter, Logan Araujo, sei mit der Aktion einverstanden gewesen. Was sie mit ihrem Brautkleid macht, weiß Cummins aber noch nicht. "Es ist zu schmerzhaft, darüber nachzudenken.

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